Fraktrions-Mitteilung

Offener Brief vom 24.03.2014

Offener Brief zum geplanten Hotelbau auf dem Belvedere

Jochem Pitz, Brgermeisterkandidat Sehr geehrte Geschäftsleute in der Brühler Innenstadt,
sehr geehrte Brühlerinnen und Brühler.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass ein namhafter deutscher Hotelbetreiber ein gehobenes Hotel mit 132 Zimmern auf dem Belvedere-Parkplatz bauen möchte.

Natürlich wird dieses Vorhaben bereits heiß diskutiert. Die FDP Fraktion hält ein Hotel auf dem Belvedere ebenso wie die WEPAG für wünschenswert. Jede Veränderung in unserer Innenstadt birgt jedoch immer Risiken, welche mit den Chancen abzuwägen sind. Gerade das innenstadtnahe Parken ist aber eine der Existenzgrundlagen des Brühler Einzelhändler. Die vorhandenen Bedenken und Sorgen vor den Einschränkungen und Belastungen auch während der Bauphase nehmen wir ernst und möchten Ihnen daher gerne die Position der FDP erläutern.

 

1. IST-Situation - Tourismus in Brühl

Der Tourismus zu den Weltkulturerbestätten, zu denen unsere beiden Schlösser Augustusburg und Falkenlust zählen, wächst stetig, so dass Brühl bereits über 400.000 Übernachtungen je Jahr verbuchen kann. Die beiden Hotels des Phantasialands tragen hierzu sicherlich bei, Brühl profitiert jedoch auch zunehmend von Kurzurlaubern und Städtetouristen erheblich. Das Interesse des wohl sehr erfahrenen potentiellen Hotelinvestors untermauert diese Einschätzung. Zudem gelten Hotelprojekte angesichts der niedrigen Zinsen als besonders renditestark.

 

2. Ein Hotel auf dem Belvedere rechnet sich für die Innenstadt

Gerade die Gruppe der touristisch orientierten Gäste wird die Hotelumgebung erkunden und hierbei bereitwillig Geld ausgeben. Die Gastronomie wird davon profitieren, aber auch der im Umfeld des Hotels ansässige Handel. Diese Meinung fußt übrigens auf Studien, wie sie jüngst die dwif Consulting GmbH der IHK Köln vorgestellt hat. Ermittelt wurde ein Tagesumsatz (inklusive des Hotelpreises) von durchschnittlich 175-215 € je Tag und Gast. Selbst bei einer Durchschnittsbelegung von 100 Gästen je Tag (bei 132 Zimmern und geschätzt 250 Betten) von nur 30 € je Gast und Tag würde die Innenstadt Kaufkraft von über 1 Million € gewinnen. Besonders der Markt und die Kölnstraße könnten so belebt werden, zumal hier der Hotelgast im stationären Handel und nicht „online“ im Internet kauft. Gerade wer die nördliche Innenstadt stärken möchte, muss die Vorteile des Projekts anerkennen. Auch deshalb wurde schon im Jahr 2006 ein „Rahmenplan Innenstadt“, der auf dem Belvedere einen Hotelbau empfiehlt, unter Beteiligung vieler Bürger diskutiert und vom Stadtrat verabschiedet.

 

3. Verkehrsprobleme mildern, Parkplätze erhalten

Die FDP Fraktion kämpft seit Jahren nicht nur gegen den Einzelhandel auf der grünen Wiese, sondern auch für den Erhalt der innenstadtnahen Parkplätze. Ohne die FDP wäre der Parkplatz am Janshof schon längst geschlossen worden.

Daher ist der Erhalt der Anzahl der öffentlichen Parkplätze in diesem zentralen Bereich unerlässlich. Bislang scheiterten alle Hotel-Projekte an der Forderung, eine entsprechende Tiefgarage zu bauen, die ca. 6-8 Mio. € kosten würde Wegen dieser überhohen Kosten ist daher der Bau eines kostengünstigen, geschlossenen Parkhauses in Stahlbaukonstruktion ebenso logisch wie dessen Fertigstellung vor Beginn des eigentlichen Hotelbaus. ...

Die Verlagerung der Parkplätze auf das sogenannte Wickegelände zwischen der Heinrich Esser- und der Kölnstraße ist hingegen KEINE Option. Die Vorteile der innenstadtnahen Parkplätze sind für die Brühler Geschäfte überlebenswichtig.

Seit Jahren gibt es Pläne, den abfließenden Verkehr über den Meyersweg abzuleiten. Eine Realisierung erscheint leider wegen des Widerstandes des Landes in weiter Ferne. Dennoch handelt es sich langfristig um die beste Lösung, die immer wieder in die Diskussion gebracht werden sollte.

Bislang ungelöst bleibt also das Verkehrsproblem auf der Kölnstraße zwischen dem Kreisel an der Heinrich-Esser-Straße und der Burgstraße. Der Verkehr der Hotelgäste käme noch hinzu, auch wenn mancher Besucher mit der Bundesbahn anreisen wird. Wir unterstellen aber, dass die zusätzlichen Fahrten durch die Gäste nicht so zahlreich sind wie die der normalen Einzelhandelskunden und der Mehrverkehr daher noch verkraftbar ist. Dies muss natürlich untersucht werden!

 

4. Alternativen zu einem Hotel

Selbstverständlich sind auch Alternativen für den Belvedere denkbar, die aber alle bedingen, dass die öffentlichen Parkplätze in ein Parkhaus verlagert werden. Diese Kosten müssen erwirtschaftet werden. Kostendeckende Parkgebühren von 1,50 bis 2,00 € je Stunde sind weder gewünscht, noch in unserer Stadt durchsetzbar. Der Hürth Park bietet in unmittelbarer Nachbarschaft zu Brühl kostenlose Parkplätze an.

Eine Bebauung mit Einzelhandelsflächen erscheint uns unrealistisch. Die Kundenströme werden nicht auf den Belvedere abbiegen, zumal den Einzelhändlern auf der Kölnstraße nicht noch unmittelbare Konkurrenz vor die „Nase“ gesetzt werden darf. Für Bürobauten ist in Brühl kein genügender Markt. Pläne, dort beispielhaft Verwaltungsbauten anzusiedeln, halten wir für schlichtweg unsinnig. Die beiden Rathäuser im Zentrum sind ideal für „kurze Wege“, - eine Verlagerung auf den Belvedere vermittelt außer Kosten keine Vorteile.

Es bleiben Wohnbauten, die wegen der hohen Erschließungskosten und geringen Nutzfläche allenfalls für ein Klientel geeignet wäre, das heute auf dem Franziskanerhof wohnt. Einen vergleichbar hohen Kaufkraftzuwachs wie bei einem Hotelbau sehen wir nicht, zumal auch manch Brühler nur an den Belvedere umziehen würde, der ohnehin schon Ihr Kunde wäre.

Also bliebe –wie wir es vielfach hören – es alles so zu belassen, wie es ist. Immerhin behielte so auch die Margaretenkirmes ihren angestammten Platz. Andererseits ist der Platz städtebaulich zu wertvoll, um ihn der bloßen Parkplatznutzung zu überlassen. Städte stehen im Wettbewerb Eine Schmuddelecke, an der das architektonisch gelungene Geschäftshaus Belvederepassage für Wettbüros herhalten muss, sollte sich Brühl nicht leisten - schon gar nicht in direkter Nachbarschaft zum Weltkulturerbe Schloss Augustusburg.

 

5. Fazit

Der Einzelhandel ist das Herz der Stadt – jeder Leerstand schmerzt. Und machen wir uns nichts vor - die Umsatzzuwächse im Onlinehandel treffen besonders mittelgroße Städte wie Brühl, das sich zusätzlich gegenüber den Handelszentren in Köln und Bonn behaupten muss. Die Chance, mit einem Hotel zusätzliche Kaufkraft hereinzuholen, sollte nicht leichtfertig verspielt werden.

Es besteht auch insofern gewisser Handlungsdruck, als das ehemalige Max Ernst Kabinett vor sich hin gammelt und das ehemalige Asylantenheim abgerissen werden sollte. Neue, isolierte bauliche Investitionen beschränken die derzeitige Handlungsfreiheit für Jahre und Jahrzehnte, denn wer will ein gerade frisch saniertes Haus wieder abreißen?

Nach alledem appelliert die FDP Fraktion, den Plänen - trotz aller Probleme - positiv gegen­überzustehen und Ängsten, die jetzt schon geschürt werden, nicht nachzugeben. In Ansehung des Kommunalwahlkampfes versuchen viele, sich auf Kosten der Interessen der Geschäftswelt zu profilieren. Wir wollen dem mit transparentem Handeln und ehrlichen Argumenten begegnen. Das bedeutet auch, dass alle Beteiligten für eine frühzeitige Information aller Bürgerinnen und Bürger sorgen müssen. Mit diesem Schreiben wollen wir diesbezüglich einen Anfang machen.

Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Jochem Pitz
FDP Fraktionsvorsitzender