F.D.P. Die Liberalen in Brühl Fraktions-Mitteilungen
  Mitteilung der F.D.P.-Fraktion vom 20.04.2000

  Gründungs- und Technologiezentrum in Brühl

Die F.D.P.-Fraktion im Rat der Stadt Brühl stellt den nachfolgenden Antrag: Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept für die Errichtung eines Gründungs- und Technologiezentrums in Brühl zu erarbeiten und dem Rat vorzustellen. 

Begründung:

Die Brühler Wirtschaft besteht hauptsächlich aus kleineren mittelständischen Betrieben mit vorwiegend handwerklicher Ausrichtung. Wenige Firmen bieten in Brühl eine hohe Anzahl an Arbeitsplätzen, deren Bestand jedoch im Wege des Strukturwandels immer wieder gefährdet erscheint. Auffällig ist dagegen, dass sich am Standort Brühl nur sehr wenige Betriebe niedergelassen haben, die sich mit den sogenannten innovativen Technologien wie Kommunikation, Computertechnik oder Biotechnologie beschäftigen. Auch die Medienwirtschaft ist in Brühl kaum vertreten, obwohl sich viele Medienbetriebe im Erftkreis, also in der näheren Umgebung der Medienstadt Köln niedergelassen haben. Hürth, Wesseling und auch Frechen können dagegen erhebliche Erfolge auf dem Gebiet der Technologiebranchen aufweisen.

Zwar sind Gewerbeflächen in Brühl rar, dennoch haben sich auch im neu geschaffenen Gewerbegebiet Nord II kaum neue Technologiefirmen angesiedelt. Ob Brühl die Entwicklung in den Nachbarstädten schlichtweg verschlafen hat oder der Missstand Ergebnis einer investitionsfeindlichen Politik ist, soll hier nicht diskutiert werden.

Jedenfalls muss die Stadt Brühl ernsthafte Bemühungen entfalten, um sich eine zukunftssichere Wirtschaft aufzubauen, da Betriebe in althergebrachten Branchen, siehe Giesler-Brauerei, nach und nach aufgeben.

Die F.D.P.-Fraktion ist der Auffassung, dass die Errichtung einer Gründungs- und Technologiezentrums hierzu entscheidend beitragen kann.

Solche Zentren arbeiten bereits seit mehreren Jahren erfolgreich in Rheinbach, Jülich oder Bergisch-Gladbach. Sie bieten Existenzgründern insbesondere flexible Räumlichkeiten in Form von Büroräumen und Werkhallen, die mit dem Betrieb wachsen können. Wesentliche Teile der Infrastruktur eines Betriebes sind in solchen Zentren bereits vorhanden. In den Anfangsjahren werden die Betriebe mietsubventioniert. Begleitet werden die Existenzgründer durch intensive Beratung, sei es durch das Arbeitsamt, durch Betriebswirtschaftler oder durch Finanzfachleute, die Wege im Subventionsdschungel zeigen. Befruchtet wird die Arbeit durch ein gemeinschaftliches Arbeiten in einem Haus und durch eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen.

Ziel eines solchen Zentrums ist es, dass sich junge innovative Firmen zunächst entwickeln, um sich sodann in der Stadt niederzulassen und neue sichere Arbeitsplätze zu schaffen.

Brühl bietet nach Ansicht Vieler ideale Vorraussetzungen für die Ansiedlung eines solchen Gründungs- und Technologiezentrums. Zu nennen ist hier insbesondere die Lage zwischen zwei Universitätsstädten Köln und Bonn, zumal die Technische Hochschule Aachen schnell erreichbar ist. Auch die in der Nähe liegenden Fachhochschulen bieten Möglichkeiten des Wissenstransfers.

Die gute Verkehrsanbindung unserer Stadt ist ein weiterer Lagevorteil. Ein entscheidendes Argument für Brühl und somit für qualifizierte Firmengründer und Arbeitnehmer ist jedoch insbesondere die schöne Innenstadt mit Fußgängerzone und Schlosspark, sowie das fuß- bzw. radläufig erreichbare Naherholungsgebiet Kottenforst.

Vorrangig ist jedoch die Frage zu lösen, auf welchem Wege ein solches Gründungs- und Technologiezentrum finanziert werden kann und in wessen Trägerschaft dieses Zentrum geführt wird. In vergleichbaren Zentren haben sich neben den Städten örtlich ansässige Bankinstitute, insbesondere Sparkassen, Investmentgesellschaften und Risikokapitalgeber an einer GmbH beteiligt, wobei auch EU-Subventionen und Förderungsgelder der Wirtschaftsministerien geflossen sind. Die Kreissparkasse Köln ist z.B. an mehreren Projekten dieser Art maßgeblich beteiligt.

Die Zeit, sich mit der Errichtung eines Gründungs- und Technologiezentrums zu beschäftigen, erscheint auch insofern günstig, als die Europäische Union auf dem letzten EU-Gipfel in Lissabon beschlossen hat, innovative Technologien und Firmengründungen energisch voranzutreiben und auch entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Umsetzung in Nationales Recht soll mit allen Druck vorangetrieben werden. Gerade hier kann ein rechtzeitig erarbeitetes, schlüssiges Konzept die Förderung durch die Landes- wie auch Bundesregierung erwarten.

Als Ansprechpartner empfehlen sich neben den Banken die Industrie- und Handelskammer, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Erftkreises, die Universitäten und das Wirtschaftsministerium des Landes NRW.

 
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